Bundesnetzagentur rechnet mit höheren Gaspreisen
Geopolitische Unsicherheit nach Beginn des Iran-Kriegs setzt die Energiemärkte unter Druck. Eine Preisexplosion wie 2022 wird aber nicht erwartet.
Gas ↑
Die Bundesnetzagentur rechnet wegen des Iran-Kriegs mit leicht höheren Gaspreisen. Für viele private Haushalte bedeutet das aber nicht sofort eine höhere Rechnung. Der Grund: Viele Gasverträge laufen mit Preisgarantie über zwölf Monate oder länger. Kritisch kann es vor allem dann werden, wenn ein bestehender Vertrag ausläuft und ein neuer Anschlussvertrag abgeschlossen werden muss.
Trotzdem ist die Nachricht ein wichtiges Signal: Wer mit Gas heizt, sollte seinen aktuellen Tarif prüfen und nicht erst reagieren, wenn die nächste Preiserhöhung im Briefkasten liegt.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Bundesnetzagentur erwartet moderate Preissteigerungen beim Gas
- Keine Preisexplosion wie 2022 zu erwarten
- Haushalte mit Preisgarantie sind zunächst geschützt
- Kritisch wird es bei Anschlussverträgen und in der Grundversorgung
- Gasvergleich kann mehrere hundert Euro pro Jahr sparen
Warum steigen die Gaspreise überhaupt?
Gas wird an internationalen Märkten gehandelt. Wenn geopolitische Krisen Energieanlagen, Transportwege oder Lieferketten bedrohen, reagieren die Märkte häufig mit steigenden Preisen. Der Iran-Krieg sorgt aktuell für Unsicherheit an den Energiemärkten. Das betrifft vor allem Unternehmen und Versorger, die Gas an den Börsen einkaufen müssen.
Bundesnetzagentur-Chef Klaus Müller erwartet deshalb mögliche Preissteigerungen beim Gas. Gleichzeitig betont die Behörde aber, dass keine Preisexplosion wie nach dem russischen Angriff auf die Ukraine zu erwarten sei. Die heutige Lage sei nicht mit der damaligen Energiekrise vergleichbar.
Müssen private Haushalte jetzt sofort mehr zahlen?
Für die meisten Haushalte wahrscheinlich nicht sofort.
Viele Gasverträge enthalten eine Preisgarantie. Das bedeutet: Der vereinbarte Arbeitspreis und teilweise auch der Grundpreis sind für einen bestimmten Zeitraum geschützt. Häufig sind das zwölf Monate oder länger.
Wichtig wird es aber bei diesen Situationen:
- Der aktuelle Gasvertrag läuft bald aus.
- Die Preisgarantie endet in den nächsten Monaten.
- Der Anbieter kündigt eine Preisanpassung an.
- Der Haushalt befindet sich noch in der Grundversorgung.
- Der letzte Gasvergleich liegt länger als ein Jahr zurück.
Gerade bei Anschlussverträgen können sich höhere Einkaufspreise verzögert bemerkbar machen. Wer dann ungeprüft beim alten Anbieter bleibt, zahlt unter Umständen mehr als nötig.
Keine Panik, aber jetzt Vertrag prüfen
Die wichtigste Botschaft lautet: Es gibt aktuell keinen Grund zur Panik, aber einen guten Grund zur Kontrolle.
Wer seine Gasrechnung senken möchte, sollte zuerst drei Dinge prüfen:
- Wie hoch ist der aktuelle Arbeitspreis pro kWh? Dieser Preis entscheidet darüber, wie teuer jede verbrauchte Kilowattstunde Gas ist.
- Wie hoch ist der monatliche Grundpreis? Ein niedriger Arbeitspreis bringt wenig, wenn der Grundpreis sehr hoch ist.
- Bis wann läuft die Preisgarantie? Das ist entscheidend, um rechtzeitig vor einer möglichen Verteuerung zu wechseln.
Viele Verbraucher schauen nur auf den monatlichen Abschlag. Das kann täuschen. Der Abschlag ist nur eine Vorauszahlung. Entscheidend sind der tatsächliche Verbrauch, der Arbeitspreis, der Grundpreis und die Vertragsbedingungen.
Warum die Grundversorgung oft zu teuer ist
Viele Haushalte sind noch immer in der Gas-Grundversorgung oder in alten Bestandsverträgen. Das ist bequem, aber nicht immer günstig. Die Grundversorgung ist zwar wichtig, weil sie eine sichere Belieferung garantiert. Sie ist aber selten der beste Preis am Markt.
Gerade in unsicheren Marktphasen lohnt sich ein Vergleich besonders. Denn Anbieter kalkulieren unterschiedlich: Manche haben langfristig günstiger eingekauft, andere geben sinkende Marktpreise schneller weiter oder bieten Neukundentarife mit Preisgarantie an.
Ein Wechsel kann deshalb auch dann sinnvoll sein, wenn die allgemeinen Gaspreise leicht steigen.
Achtung: Grundversorgung-Falle
Strompreise entwickeln sich aktuell anders
Interessant ist: Beim Strom sieht die Bundesnetzagentur derzeit eine andere Entwicklung. Laut Klaus Müller werden die Strompreise in der Tendenz eher günstiger. Als Grund nennt er den hohen Anteil kostengünstiger erneuerbarer Energien, der auch jahreszeitlich bedingt aktuell stärker ins Gewicht fällt.
Das zeigt: Gas und Strom entwickeln sich nicht automatisch gleich. Gas hängt stärker an internationalen Rohstoffmärkten. Strom wird in Deutschland zunehmend durch erneuerbare Energien geprägt. Für Verbraucher heißt das: Strom- und Gasvertrag sollten getrennt geprüft werden.
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Postleitzahl und Jahresverbrauch eingeben – in wenigen Minuten siehst du, ob du beim Gas sparen kannst.
Was Gaskunden jetzt konkret tun sollten
Wer mit Gas heizt, sollte jetzt nicht hektisch kündigen, aber seinen Vertrag aktiv prüfen.
1. Letzte Gasrechnung heraussuchen
Auf der Jahresabrechnung stehen die wichtigsten Daten:
- Jahresverbrauch in kWh
- aktueller Arbeitspreis
- Grundpreis
- Vertragslaufzeit
- Kündigungsfrist
- Anbietername
- Zählernummer
Der Jahresverbrauch ist besonders wichtig für einen realistischen Gasvergleich.
2. Preisgarantie prüfen
Eine Preisgarantie schützt vor kurzfristigen Preisänderungen. Aber nicht jede Preisgarantie ist gleich. Manche Garantien gelten nur für den Energiepreis, andere schließen auch bestimmte Preisbestandteile ein. Steuern, Abgaben oder Netzentgelte können je nach Tarif ausgenommen sein.
Trotzdem gilt: Eine faire Preisgarantie kann in unsicheren Zeiten sinnvoll sein.
3. Gasvergleich durchführen
Mit Postleitzahl und Jahresverbrauch lässt sich schnell prüfen, ob es günstigere Alternativen gibt. Besonders wichtig sind dabei:
- Gesamtkosten pro Jahr
- Arbeitspreis pro kWh
- monatlicher Grundpreis
- Vertragslaufzeit
- Preisgarantie
- Kündigungsfrist
- Bonusbedingungen
Ein sehr günstiger Tarif ist nicht automatisch der beste Tarif. Entscheidend ist, dass Preis, Laufzeit und Bedingungen zusammenpassen.
4. Nicht nur auf Bonusangebote schauen
Viele Gastarife wirken durch Neukundenboni besonders günstig. Das kann sich lohnen, sollte aber genau geprüft werden. Wichtig ist, ob der Bonus sicher ausgezahlt wird und ob der Tarif auch ohne Bonus noch attraktiv bleibt.
Für viele Haushalte ist ein stabiler Tarif mit fairer Preisgarantie besser als ein extrem günstiger Tarif mit komplizierten Bonusbedingungen.
Wie viel kann ein Wechsel bringen?
Das hängt stark vom Wohnort, Verbrauch und bisherigen Tarif ab. Besonders hoch ist das Sparpotenzial häufig bei Haushalten, die noch in der Grundversorgung sind oder lange nicht gewechselt haben.
Bei einer Gasheizung im Einfamilienhaus kann der Jahresverbrauch schnell bei 15.000 bis 25.000 kWh liegen. Schon wenige Cent Unterschied pro Kilowattstunde können dann mehrere hundert Euro pro Jahr ausmachen.
| Jahresverbrauch | Preisunterschied | mögliche Ersparnis/Jahr |
|---|---|---|
| 12.000 kWh | 1 ct/kWh | ca. 120 € |
| 18.000 kWh | 1 ct/kWh | ca. 180 € |
| 25.000 kWh | 1 ct/kWh | ca. 250 € |
| 25.000 kWh | 2 ct/kWh | ca. 500 € |
Das sind nur Beispielrechnungen. Der tatsächliche Vorteil hängt immer vom konkreten Tarifvergleich ab.
Gas sparen bleibt trotzdem sinnvoll
Neben dem Tarifwechsel hilft auch ein bewusster Verbrauch. Die Bundesnetzagentur weist darauf hin, dass Gas weiterhin ein wertvolles Gut ist. Wer weniger verbraucht, senkt nicht nur seine Kosten, sondern macht sich auch unabhängiger von Preisschwankungen.
Einfache Maßnahmen, die Gas sparen
Raumtemperatur leicht senken
1 °C weniger spart bis zu 6 % Heizkosten.
Heizkörper regelmäßig entlüften
Luft im System macht die Heizung ineffizient.
Heizkurve prüfen lassen
Eine schlecht eingestellte Heizung verbraucht unnötig viel.
Fenster nicht dauerhaft kippen
Stoßlüften ist deutlich effizienter.
Warmwasserverbrauch reduzieren
Kürzer duschen, Sparduschköpfe nutzen.
Alte Thermostate austauschen
Moderne digitale Thermostate sparen bis zu 10 %.
Gasverbrauch monatlich notieren
Nur wer den Verbrauch kennt, kann ihn senken.
Gerade bei älteren Gasheizungen lohnt sich zusätzlich ein Heizungscheck durch einen Fachbetrieb. Weitere Tipps findest du in unserem Ratgeber Gas sparen.
Sonderkündigungsrecht bei Preiserhöhung
Wenn der Gasanbieter eine Preiserhöhung ankündigt, besteht in vielen Fällen ein Sonderkündigungsrecht. Das bedeutet: Verbraucher können den Vertrag außerordentlich kündigen und zu einem günstigeren Anbieter wechseln.
Wichtig ist, schnell zu reagieren. Preiserhöhungsschreiben sollten deshalb nicht ignoriert werden. Häufig stehen die entscheidenden Informationen etwas versteckt im Schreiben.
Typische Hinweise auf eine Preisanpassung sind:
- „Anpassung Ihrer Preise“
- „Änderung der Vertragsbedingungen“
- „neuer Arbeitspreis“
- „neuer Grundpreis“
- „Sonderkündigungsrecht“
Tipp: Bei Preiserhöhung sofort vergleichen
Fazit: Gasvertrag jetzt prüfen, bevor es teurer wird
Die Bundesnetzagentur rechnet wegen des Iran-Kriegs mit moderat höheren Gaspreisen. Für private Haushalte ist das noch keine akute Krise, aber ein klares Warnsignal. Viele Kunden sind durch Preisgarantien zunächst geschützt. Spätestens beim nächsten Anschlussvertrag können höhere Einkaufspreise aber ankommen.
Deshalb gilt: Wer mit Gas heizt, sollte jetzt seinen Vertrag prüfen, die Preisgarantie kontrollieren und rechtzeitig vergleichen. Besonders Haushalte in der Grundversorgung oder mit alten Tarifen können durch einen Wechsel oft deutlich sparen.
Unser Tipp: Gaspreise regelmäßig vergleichen und nicht erst handeln, wenn die Preiserhöhung schon da ist.
Autor
GeizStrom Redaktion
Unsere Redaktion analysiert den deutschen Energiemarkt und erklärt komplexe Themen verständlich – damit du fundierte Entscheidungen für deinen Strom- und Gastarif treffen kannst.