Gas & Heizen

Gaspreise könnten steigen: Was der Iran-Krieg jetzt für Verbraucher bedeutet

Die Bundesnetzagentur rechnet wegen des Iran-Kriegs mit moderat höheren Gaspreisen. Warum die meisten Haushalte zunächst geschützt sind – und wann es kritisch wird.

11. Mai 20269 Min. Lesezeit

Bundesnetzagentur rechnet mit höheren Gaspreisen

Geopolitische Unsicherheit nach Beginn des Iran-Kriegs setzt die Energiemärkte unter Druck. Eine Preisexplosion wie 2022 wird aber nicht erwartet.

Gas ↑

Die Bundesnetzagentur rechnet wegen des Iran-Kriegs mit leicht höheren Gaspreisen. Für viele private Haushalte bedeutet das aber nicht sofort eine höhere Rechnung. Der Grund: Viele Gasverträge laufen mit Preisgarantie über zwölf Monate oder länger. Kritisch kann es vor allem dann werden, wenn ein bestehender Vertrag ausläuft und ein neuer Anschlussvertrag abgeschlossen werden muss.

Trotzdem ist die Nachricht ein wichtiges Signal: Wer mit Gas heizt, sollte seinen aktuellen Tarif prüfen und nicht erst reagieren, wenn die nächste Preiserhöhung im Briefkasten liegt.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Bundesnetzagentur erwartet moderate Preissteigerungen beim Gas
  • Keine Preisexplosion wie 2022 zu erwarten
  • Haushalte mit Preisgarantie sind zunächst geschützt
  • Kritisch wird es bei Anschlussverträgen und in der Grundversorgung
  • Gasvergleich kann mehrere hundert Euro pro Jahr sparen

Warum steigen die Gaspreise überhaupt?

Gas wird an internationalen Märkten gehandelt. Wenn geopolitische Krisen Energieanlagen, Transportwege oder Lieferketten bedrohen, reagieren die Märkte häufig mit steigenden Preisen. Der Iran-Krieg sorgt aktuell für Unsicherheit an den Energiemärkten. Das betrifft vor allem Unternehmen und Versorger, die Gas an den Börsen einkaufen müssen.

Bundesnetzagentur-Chef Klaus Müller erwartet deshalb mögliche Preissteigerungen beim Gas. Gleichzeitig betont die Behörde aber, dass keine Preisexplosion wie nach dem russischen Angriff auf die Ukraine zu erwarten sei. Die heutige Lage sei nicht mit der damaligen Energiekrise vergleichbar.

Müssen private Haushalte jetzt sofort mehr zahlen?

Für die meisten Haushalte wahrscheinlich nicht sofort.

Viele Gasverträge enthalten eine Preisgarantie. Das bedeutet: Der vereinbarte Arbeitspreis und teilweise auch der Grundpreis sind für einen bestimmten Zeitraum geschützt. Häufig sind das zwölf Monate oder länger.

Wichtig wird es aber bei diesen Situationen:

  • Der aktuelle Gasvertrag läuft bald aus.
  • Die Preisgarantie endet in den nächsten Monaten.
  • Der Anbieter kündigt eine Preisanpassung an.
  • Der Haushalt befindet sich noch in der Grundversorgung.
  • Der letzte Gasvergleich liegt länger als ein Jahr zurück.

Gerade bei Anschlussverträgen können sich höhere Einkaufspreise verzögert bemerkbar machen. Wer dann ungeprüft beim alten Anbieter bleibt, zahlt unter Umständen mehr als nötig.

Keine Panik, aber jetzt Vertrag prüfen

Die wichtigste Botschaft lautet: Es gibt aktuell keinen Grund zur Panik, aber einen guten Grund zur Kontrolle.

Wer seine Gasrechnung senken möchte, sollte zuerst drei Dinge prüfen:

  1. Wie hoch ist der aktuelle Arbeitspreis pro kWh? Dieser Preis entscheidet darüber, wie teuer jede verbrauchte Kilowattstunde Gas ist.
  2. Wie hoch ist der monatliche Grundpreis? Ein niedriger Arbeitspreis bringt wenig, wenn der Grundpreis sehr hoch ist.
  3. Bis wann läuft die Preisgarantie? Das ist entscheidend, um rechtzeitig vor einer möglichen Verteuerung zu wechseln.

Viele Verbraucher schauen nur auf den monatlichen Abschlag. Das kann täuschen. Der Abschlag ist nur eine Vorauszahlung. Entscheidend sind der tatsächliche Verbrauch, der Arbeitspreis, der Grundpreis und die Vertragsbedingungen.

Warum die Grundversorgung oft zu teuer ist

Viele Haushalte sind noch immer in der Gas-Grundversorgung oder in alten Bestandsverträgen. Das ist bequem, aber nicht immer günstig. Die Grundversorgung ist zwar wichtig, weil sie eine sichere Belieferung garantiert. Sie ist aber selten der beste Preis am Markt.

Gerade in unsicheren Marktphasen lohnt sich ein Vergleich besonders. Denn Anbieter kalkulieren unterschiedlich: Manche haben langfristig günstiger eingekauft, andere geben sinkende Marktpreise schneller weiter oder bieten Neukundentarife mit Preisgarantie an.

Ein Wechsel kann deshalb auch dann sinnvoll sein, wenn die allgemeinen Gaspreise leicht steigen.

Achtung

Achtung: Grundversorgung-Falle

Wer noch nie den Gasanbieter gewechselt hat, steckt automatisch in der Grundversorgung. Dort gelten oft die höchsten Preise am Markt. Ein Wechsel ist mit nur 2 Wochen Kündigungsfrist jederzeit möglich. Mehr dazu in unserem Artikel Grundversorgung-Falle: Warum du zu viel zahlst.

Strompreise entwickeln sich aktuell anders

Interessant ist: Beim Strom sieht die Bundesnetzagentur derzeit eine andere Entwicklung. Laut Klaus Müller werden die Strompreise in der Tendenz eher günstiger. Als Grund nennt er den hohen Anteil kostengünstiger erneuerbarer Energien, der auch jahreszeitlich bedingt aktuell stärker ins Gewicht fällt.

Das zeigt: Gas und Strom entwickeln sich nicht automatisch gleich. Gas hängt stärker an internationalen Rohstoffmärkten. Strom wird in Deutschland zunehmend durch erneuerbare Energien geprägt. Für Verbraucher heißt das: Strom- und Gasvertrag sollten getrennt geprüft werden.

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Was Gaskunden jetzt konkret tun sollten

Wer mit Gas heizt, sollte jetzt nicht hektisch kündigen, aber seinen Vertrag aktiv prüfen.

1. Letzte Gasrechnung heraussuchen

Auf der Jahresabrechnung stehen die wichtigsten Daten:

  • Jahresverbrauch in kWh
  • aktueller Arbeitspreis
  • Grundpreis
  • Vertragslaufzeit
  • Kündigungsfrist
  • Anbietername
  • Zählernummer

Der Jahresverbrauch ist besonders wichtig für einen realistischen Gasvergleich.

2. Preisgarantie prüfen

Eine Preisgarantie schützt vor kurzfristigen Preisänderungen. Aber nicht jede Preisgarantie ist gleich. Manche Garantien gelten nur für den Energiepreis, andere schließen auch bestimmte Preisbestandteile ein. Steuern, Abgaben oder Netzentgelte können je nach Tarif ausgenommen sein.

Trotzdem gilt: Eine faire Preisgarantie kann in unsicheren Zeiten sinnvoll sein.

3. Gasvergleich durchführen

Mit Postleitzahl und Jahresverbrauch lässt sich schnell prüfen, ob es günstigere Alternativen gibt. Besonders wichtig sind dabei:

  • Gesamtkosten pro Jahr
  • Arbeitspreis pro kWh
  • monatlicher Grundpreis
  • Vertragslaufzeit
  • Preisgarantie
  • Kündigungsfrist
  • Bonusbedingungen

Ein sehr günstiger Tarif ist nicht automatisch der beste Tarif. Entscheidend ist, dass Preis, Laufzeit und Bedingungen zusammenpassen.

4. Nicht nur auf Bonusangebote schauen

Viele Gastarife wirken durch Neukundenboni besonders günstig. Das kann sich lohnen, sollte aber genau geprüft werden. Wichtig ist, ob der Bonus sicher ausgezahlt wird und ob der Tarif auch ohne Bonus noch attraktiv bleibt.

Für viele Haushalte ist ein stabiler Tarif mit fairer Preisgarantie besser als ein extrem günstiger Tarif mit komplizierten Bonusbedingungen.

Wie viel kann ein Wechsel bringen?

Das hängt stark vom Wohnort, Verbrauch und bisherigen Tarif ab. Besonders hoch ist das Sparpotenzial häufig bei Haushalten, die noch in der Grundversorgung sind oder lange nicht gewechselt haben.

Bei einer Gasheizung im Einfamilienhaus kann der Jahresverbrauch schnell bei 15.000 bis 25.000 kWh liegen. Schon wenige Cent Unterschied pro Kilowattstunde können dann mehrere hundert Euro pro Jahr ausmachen.

JahresverbrauchPreisunterschiedmögliche Ersparnis/Jahr
12.000 kWh1 ct/kWhca. 120 €
18.000 kWh1 ct/kWhca. 180 €
25.000 kWh1 ct/kWhca. 250 €
25.000 kWh2 ct/kWhca. 500 €

Das sind nur Beispielrechnungen. Der tatsächliche Vorteil hängt immer vom konkreten Tarifvergleich ab.

Gas sparen bleibt trotzdem sinnvoll

Neben dem Tarifwechsel hilft auch ein bewusster Verbrauch. Die Bundesnetzagentur weist darauf hin, dass Gas weiterhin ein wertvolles Gut ist. Wer weniger verbraucht, senkt nicht nur seine Kosten, sondern macht sich auch unabhängiger von Preisschwankungen.

Einfache Maßnahmen, die Gas sparen

  • Raumtemperatur leicht senken

    1 °C weniger spart bis zu 6 % Heizkosten.

  • Heizkörper regelmäßig entlüften

    Luft im System macht die Heizung ineffizient.

  • Heizkurve prüfen lassen

    Eine schlecht eingestellte Heizung verbraucht unnötig viel.

  • Fenster nicht dauerhaft kippen

    Stoßlüften ist deutlich effizienter.

  • Warmwasserverbrauch reduzieren

    Kürzer duschen, Sparduschköpfe nutzen.

  • Alte Thermostate austauschen

    Moderne digitale Thermostate sparen bis zu 10 %.

  • Gasverbrauch monatlich notieren

    Nur wer den Verbrauch kennt, kann ihn senken.

Gerade bei älteren Gasheizungen lohnt sich zusätzlich ein Heizungscheck durch einen Fachbetrieb. Weitere Tipps findest du in unserem Ratgeber Gas sparen.

Sonderkündigungsrecht bei Preiserhöhung

Wenn der Gasanbieter eine Preiserhöhung ankündigt, besteht in vielen Fällen ein Sonderkündigungsrecht. Das bedeutet: Verbraucher können den Vertrag außerordentlich kündigen und zu einem günstigeren Anbieter wechseln.

Wichtig ist, schnell zu reagieren. Preiserhöhungsschreiben sollten deshalb nicht ignoriert werden. Häufig stehen die entscheidenden Informationen etwas versteckt im Schreiben.

Typische Hinweise auf eine Preisanpassung sind:

  • „Anpassung Ihrer Preise“
  • „Änderung der Vertragsbedingungen“
  • „neuer Arbeitspreis“
  • „neuer Grundpreis“
  • „Sonderkündigungsrecht“
Profi-Tipp

Tipp: Bei Preiserhöhung sofort vergleichen

Wer ein Preiserhöhungsschreiben erhält, sollte direkt die neuen Preise mit aktuellen Angeboten vergleichen. Das Sonderkündigungsrecht gilt meist nur kurz – oft nur wenige Wochen. Wer schnell wechselt, kann die Preiserhöhung komplett umgehen.

Fazit: Gasvertrag jetzt prüfen, bevor es teurer wird

Die Bundesnetzagentur rechnet wegen des Iran-Kriegs mit moderat höheren Gaspreisen. Für private Haushalte ist das noch keine akute Krise, aber ein klares Warnsignal. Viele Kunden sind durch Preisgarantien zunächst geschützt. Spätestens beim nächsten Anschlussvertrag können höhere Einkaufspreise aber ankommen.

Deshalb gilt: Wer mit Gas heizt, sollte jetzt seinen Vertrag prüfen, die Preisgarantie kontrollieren und rechtzeitig vergleichen. Besonders Haushalte in der Grundversorgung oder mit alten Tarifen können durch einen Wechsel oft deutlich sparen.

Unser Tipp: Gaspreise regelmäßig vergleichen und nicht erst handeln, wenn die Preiserhöhung schon da ist.

Autor

GeizStrom Redaktion

Unsere Redaktion analysiert den deutschen Energiemarkt und erklärt komplexe Themen verständlich – damit du fundierte Entscheidungen für deinen Strom- und Gastarif treffen kannst.

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Nein, nicht sofort. Viele Haushalte haben Gasverträge mit Preisgarantie über 12 Monate oder länger – während dieser Zeit ist der Preis geschützt. Kritisch wird es vor allem, wenn die Preisgarantie ausläuft, ein Anschlussvertrag fällig wird oder du noch in der Grundversorgung bist.

Gas wird an internationalen Märkten gehandelt. Wenn geopolitische Krisen Lieferketten oder Energieanlagen bedrohen, reagieren die Märkte mit steigenden Preisen. Versorger, die Gas an der Börse einkaufen, geben höhere Einkaufspreise dann verzögert an Endkunden weiter.

Hol dir die letzte Gasrechnung, prüfe Arbeitspreis, Grundpreis und Bis-wann-Preisgarantie. Mache dann einen Gasvergleich mit deiner PLZ und deinem Jahresverbrauch. Vergleiche immer Gesamtkosten – nicht nur den kWh-Preis oder Bonusangebote.

Ja, gerade jetzt. Die Grundversorgung ist selten der günstigste Tarif – Ersparnisse von mehreren hundert Euro pro Jahr sind realistisch. Die Kündigungsfrist beträgt nur 2 Wochen, der Wechsel ist also schnell möglich.

Wenn dein Gasanbieter eine Preiserhöhung ankündigt, hast du in der Regel ein Sonderkündigungsrecht – du kannst den Vertrag außerordentlich kündigen und sofort zu einem günstigeren Anbieter wechseln. Reagiere schnell, denn die Fristen sind oft kurz.

Nein. Gas hängt stärker an internationalen Rohstoffmärkten, deshalb wirken sich Krisen wie der Iran-Krieg dort schneller aus. Strom wird in Deutschland zunehmend durch erneuerbare Energien geprägt – die Strompreise entwickeln sich aktuell tendenziell günstiger. Prüfe Strom- und Gastarif deshalb getrennt.